GMP+-Risikokommunikation

08 Dezember 2016

GMP+ International setzt sich dafür ein, potenzielle Gefährdungen der Futtermittelsicherheit in der Futtermittelkette ständig zu identifizieren. Die diesbezügliche Kommunikation in Richtung der nach GMP+ FSA (Feed Safety Assurance) zertifizierten Unternehmen beinhaltet, dass die Unternehmen einerseits gut informiert werden, um zu verhüten, dass diese Gefährdungen zu tatsächlichen Risiken werden, und die Unternehmen andererseits dazu veranlasst werden, die richtigen Lenkungsmaßnahmen zu ergreifen. Wir nennen diese Vorgehensweise die so genannte GMP+-Risikokommunikation. Künftig folgen mehrere Newsletters, wenn wir die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themenbereiche lenken möchten.

Über den vorliegenden Newsletter möchten wir die nach GMP+ FSA zertifizierten Unternehmen auf die Tatsache hinweisen, dass Palmfettsäure (PAO - Palm Acid Oil) aus Asien Abwasser aus dem Palmölproduktionsprozess („palm oil mill effluent“ - POME) enthalten kann. Es ist wichtig, dass nach GMP+ FSA zertifizierte Unternehmen, die Palmfettsäuren aus Asien beziehen, sicherstellen, dass dies bei Ladungen, die sie einkaufen und erhalten, nicht der Fall ist.

Bei POME handelt es sich um Abwasser aus Palmölmühlen, das durch Trennung im Palmölproduktionsprozess anfällt. Die Verwendung von POME als Futtermittel (-inhaltsstoff) entspricht nicht dem Produktionsverfahren, das in der generischen Risikobewertung in der FSP-Datenbank von GMP+ International (und dem EU-Katalog der Einzelfuttermittel) beschrieben wird.

Fettsäuren werden über die Raffination von Rohfett und -öl gewonnen. Die Beschreibung von Fettsäuren aus der chemischen Raffination im EU-Katalog der Einzelfuttermittel (Verordnung (EU) 68/2013 der Kommission), Nummer 13.6.1, lautet wie folgt: „Erzeugnis, das bei der Entsäuerung von Ölen und Fetten pflanzlichen oder tierischen Ursprungs mit Laugen gewonnen und anschließend angesäuert und von der wässrigen Phase getrennt wird; es enthält freie Fettsäuren, Öle oder Fette und natürliche Komponenten von Samen, Früchten oder tierischem Gewebe wie Mono- und Diglyceride, Lecithin und Fasern.“ Die generische Risikobewertung in der FSP-Datenbank entspricht dieser Beschreibung.

Reines POME oder Öl- und Fetterzeugnisse, die POME enthalten, können nicht als Fettsäuren betrachtet werden und dürfen mithin nicht als solche ausgewiesen werden. Erzeugnisse wie POME sind das Ergebnis eines Prozesses, der sich nicht über Risikolenkungsmaßnahmen kontrollieren lässt. Aus diesem Grund hat die EU die Verwendung von Erzeugnissen, welche aus Abwasser gewonnen werden, für den Einsatz in Futtermittel verboten (Verordnung (EG) 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln, Anhang III, 1.1). Die „GMP+ FSA“-Standards verweisen auf diese EU-Gesetzgebung.

Ein nach GMP+ FSA zertifiziertes Unternehmen, das erfährt, dass Palmfettsäure POME enthält, ist verpflichtet, dies GMP+ International gemäß den entsprechenden EWS-Vorschriften zu melden.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit anderen Futtermittelsicherheitssystemen in Belgien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich (Ovocom, QS, FEMAS - AIC, EFISC und Coceral) und dem niederländischen SecureFeed beabsichtigen wir, unsere Aktivitäten mit jenen Systemen abzugleichen. Die Träger der besagten Futtermittelsicherheitssysteme und GMP+ International werden gemeinsam mit den betreffenden Öl- und Fettorganisationen einheitliche ergänzende Lenkungsmaßnahmen entwickeln, die die Gewährleistung der Futtermittelsicherheit und -unbedenklichkeit im Hinblick auf Nebenprodukte aus der Raffination wie unter anderem Fettsäuren ermöglichen.

Maßnahmen bei zertifizierten Unternehmen

Lieferanten müssen die richtigen Datenblätter zu den Erzeugnissen bereitstellen. Sofern sich aufgrund eines Datenblatts die wahrgenommenen Abweichungen im Hinblick auf den Nährwert und die Produktsicherheit nicht erklären lassen, ist eine zusätzliche Inspektion erforderlich.

GMP+ International empfiehlt allen nach GMP+ FSA zertifizierten Unternehmen, sich, sofern sie Palmfettsäure beschaffen, davon zu vergewissern, dass sie (ausschließlich) das richtige Erzeugnis kaufen und erhalten, indem sie

  • dessen Preis mit dem gängigen Marktwert vergleichen; sofern der Preis stark abweicht, kann dies darauf hinweisen, dass es sich (teilweise) um ein anderes Erzeugnis handelt
  • überprüfen, ob das Einzelfuttermittel mit den einzelnen Angaben in der GMP+ Feed Support Products übereinstimmen; sind (i) der Produktname, (ii) die Produktdefinition und (iii) die Beschreibung des Herstellungsprozesses korrekt?
  • in Bezug auf die entsprechende Produktzusammensetzung (Nährwerte, Mengen an freien Fettsäuren) und mögliche Sicherheitsrisiken Proben nehmen und analysieren.

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