Trend: Anstieg von EWS-Meldungen & -Fällen im Jahr 2015

09 Februar 2016

Mit 147 EWS-Meldungen, welche sich auf 98 EWS-Fälle verteilten, sah sich GMP+ Interna-tional zwar einem starken Anstieg der Zahl der EWS-Meldungen (notifications) im Ver-gleich zum Jahr 2014 (75) konfrontiert, die Zahl der Warnungen, die an GMP+-Teilnehmer verschickt wurde, war jedoch erheblich zurückgegangen (17 Warnungen im Jahr 2015 gegenüber 45 Warnungen im Jahr 2014). Dies deutet darauf hin, dass nach GMP+ zertifizierte Unternehmen die Situation schneller unter Kontrolle haben, wodurch das Risiko einer Kontaminierung in der Kette beschränkt bleibt und die Futtermittelsi-cherheit nicht gefährdet wird. Die meisten Meldungen beziehen sich auf Pflanzen-schutzmittel in Einzelfuttermitteln.

Dreizehn zusätzliche Audits waren erforderlich, um die vorschriftsmäßige Umsetzung der „GMP+ FSA“-Anforderungen (10 Meldungen) beziehungsweise spezifischer (EWS-) Anforderungen aus GMP+ BA5 (3 Meldungen) näher zu überprüfen.

Dies sind die wichtigsten Schlussfolgerungen der EWS-Jahreszahlen für das Jahr 2015.

Einzelfuttermittel und Pflanzenschutzmittel dominieren

Nahezu 80 % der Meldungen betrafen Pflanzenschutzmittel. Mischfuttermittel, Zusatzstoffe, Vormischungen und Nicht-Futtermittel (Lebensmittel, Streu, mineralischer Dünger und Erzeugnisse mit einem technischen Verwendungszweck verursachten sehr viel weniger Probleme für die GMP+-Teilnehmer).

Im Bereich der Einzelfuttermittel ist die Zahl der Meldungen zu Pflanzenschutzmitteln stark gestiegen: von 12 Meldungen im Jahr 2014 auf 44 Meldungen im Jahr 2015. Damit ist der Kontaminant „Pflanzenschutzmittel“ die Gefahr Nummer 1. Trotz der Tatsache, dass es keinen Grenzwert für Salmonellen gibt, steht der Kontaminant „mikrobiologischen Gefahren“ an zweiter Stelle (16 Meldungen über Salmonellen und 1 Meldung über Enterobacteriaceae). Sofort danach kommen Meldungen über Dioxine/PCB in Einzelfuttermitteln (16 Meldungen).

Die meisten Probleme mit Pflanzenschutzmitteln in Einzelfuttermittel ergaben sich bei Getreide und Getreidenebenprodukten (12 Meldungen), wonach Sojanebenprodukte folgten (10 Meldungen).

Hinsichtlich der Niederlande fällt auf, dass es sich bei den Meldungen bedenklicher Futtermittel öfter um Mischfuttermittel handelte (11 Meldungen) als um Einzelfuttermittel (10 Meldungen). Die Meldungen zu Mischfuttermitteln betrafen das Vorhandensein von Schwermetallen (4 Meldungen), Salmonellen (4 Meldungen), Pestiziden (1 Meldung), Salinomycine (1 Meldung) und Flubendazol (1 Meldung).

Ursachen der Kontaminierung

Bei 20 % der Meldungen lag die Ursache der Kontaminierung innerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs des Futtermittelunternehmens (Kategorie „processing“). Es handelt sich dabei um Meldungen, bei denen die Kontaminierung irgendwo im Erzeugungs- und Herstellungsprozess aufgetreten ist, beispielsweise während des Anbaus (zum Beispiel durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln), der Be- und Verarbeitung (etwa infolge einer Leckstelle bei einer Maschine) oder während des Transports oder der Lagerung des Erzeugnisses (zum Beispiel durch eine wechselseitige Kontaminierung).

„Natural exposure“ ist die Ursache Nummer 2, wonach menschliche Fehler folgen.

In 20 % der Fälle konnte keine Ursache („not detected“) der Kontaminierung festgestellt werden.

Die größte Kategorie „not applicable“ („nicht zutreffend“) besteht aus Meldungen, bei denen letztendlich - nach entsprechenden Untersuchungen - von keinen unbedenklichen Futtermitteln die Rede war. Es handelt sich um Situationen, bei denen die Gegenanalyse die Kontaminierung nicht bestätigte, nach Abzug des Messungenauigkeitsfaktors von keiner Überschreitung eines Grenzwerts die Rede war oder schlechthin kein Grenzwert gilt (u.a. Salmonellen).

Die Wichtigkeit des Meldens!

Es ist wichtig, dass Unregelmäßigkeiten gemeldet werden. Dies sorgt dafür, dass schnell gehandelt werden kann und dass - erforderlichenfalls - andere beteiligte Parteien über mögliche Bedrohungen oder Risiken informiert werden (Schadensbegrenzung). Das Frühwarnsystem (Early Warning System - EWS) ist ein wichtiger Bestandteil eines feed safety management system wie GMP+ FSA.

Risikomanagement, die Lernwirkung von EWS!

Zum Schluss: EWS-Meldungen teilnehmender Unternehmen dienen der GMP+ International als Inspirationsquelle zur Betonung potenzieller Risiken in ihrer Kommunikation und können zu Verbesserungen des „GMP+ FSA“-Moduls (wie das Aflatoxin-B1-Protokoll zur Ernte 2015), der Feed Support Products (Quick-Scan zu Chloramphenicol und Anpassung von Risikobewertungen), der Zertifizierungs- und Konformitätsanforderungen (Integrity Policy), der Risikokommunikation und anderer Tätigkeiten führen (zum Beispiel die Erläuterung auf der Themaveranstaltung von HISFA).

Nähere Erläuterung einer Reihe Begriffe:

Meldung                          Die Meldung eines bedenklichen Futtermittels bei GMP+ International

Fall                                    Die Gesamtheit von Meldungen über eine selbe unsichere Situation. Es handelt sich um Meldungen verschiedener Unternehmen. Mehrere Meldungen können sich auf einen Fall beziehen.

Warnung                          GMP+-Teilnehmer werden gewarnt, beim Erwerb eines bestimmten Erzeugnisses aus einem bestimmten Land oder einer bestimmten Region auf eine mögliche Kontaminierung zu achten. Die Situation ist dringlich und nicht (gänzlich) unter Kontrolle.

Risikokommunikation GMP+-Teilnehmer werden zwar nicht vor einer unsicheren Situation gewarnt, die Informationen zu EWS-Meldungen, die für die betriebsinterne Risikobewertung von Teilnehmern wichtig sein könnten, werden jedoch geteilt, etwa wenn die Ursache mehrerer Meldungen zur selben Quelle oder demselben Risiko führt.

Melden Sie sich für den GMP+ International Newsletter an.

Verfolgen Sie die aktuellsten Nachrichten von GMP+ International.