Kettenansatz: gemeinsame sowie individuelle Verantwortung für sichere Futtermittel

27 Juli 2017

Egal wie ernst ein Betrieb seine Verantwortung auch nimmt - sichere Futtermittel entstehen niemals aus den Bemühungen einer einzigen Partei. Die Verantwortung für unbedenkliche Futtermittel ruht auf den Schultern aller Glieder der Kette.

Fragen bezüglich der Eigenverantwortung und (des Abwälzens) der Schuld sind so alt wie die Menschheit. Die heiligen Bücher der drei großen monotheistischen Religionen enthalten alle die berühmte Geschichte von Adam und Eva. Als Adam im Paradies von der verbotenen Frucht aß, schob er die Schuld auf seine Frau Eva – sie hätte schließlich zuerst davon gegessen und ihm die Frucht gegeben. Eva wiederum wies mit dem beschuldigenden Finger auf die listige Schlange, die sie angeblich verführt hatte.

In der Überlieferung hat Gott diese Entschuldigungen nicht akzeptiert: Adam und Eva waren selbst dafür verantwortlich, nicht von dem Baum zu essen, und konnten ihre Schuld nicht auf jemand anders schieben. Diese Weisheit gilt auch heute noch. So ist es nicht schwer, die Gemeinsamkeiten mit dem integralen Kettenansatz bei der Herstellung sicherer Futtermittel zu erkennen: Die Fehler des einen können Folgen für den anderen mit sich bringen, aber das enthebt die letzte Partei keinesfalls von ihrer eigenen Verantwortung für die von ihr getroffenen Entscheidungen.

 

Zu spät
Die Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Daher sollte die Gewährleistung der Futtermittelsicherheit nicht nur auf individuelle Unternehmen abzielen, sondern auf die Kette als Ganzes. Die Betriebe können sich durch eine unabhängige Bewertung hierfür zertifizieren lassen. Ein solcher Ansatz läuft in der Praxis darauf hinaus, dass Unternehmen, die in Bezug auf sichere Futtermittel zertifiziert sind, nur Erzeugnisse und Dienstleistungen von Lieferanten abnehmen dürfen, die auch (gleichwertig) zertifiziert sind.

Schon ziemlich bald nach der Einführung der GMP+ Feed Safety Assurance (GMP+ FSA) - Zertifizierung war uns die Bedeutung der Einbeziehung der gesamten Kette in unserem Streben nach sicheren Futtermitteln klar. In erster Instanz (1992-1999) galten die Qualitätsanforderungen und -standards nur für das Werk, in dem Mischfuttermittel hergestellt wurde. Je sehr sich aber das Unternehmen auch an die Regeln hielt, sah sich die Fabrik noch immer mit angelieferten Inhaltsstoffen konfrontiert. Wenn damit etwas nicht stimmte, konnten die Anforderungen und Standards der Fabrik selbst dies nicht mehr beheben; dafür war es zu spät. Somit wurde im Jahr 1999 beschlossen, auch von den Lieferanten ein „GMP+ FSA“-Zertifikat zu verlangen. Später wurde dies auch auf andere Parteien in der Kette erweitert, wie beispielsweise Transporteure, Zwischenhändler und Lagerunternehmen.

 

Eigenverantwortung
Dabei wurde deutlich, dass jeder einzelne Betrieb in der Kette seine eigene Verantwortung zur Gewährleistung der Sicherheit von Futtermittelprodukten übernehmen muss. Das Wegschauen oder Weglaufen ist nicht akzeptabel. Ein „GMP+ FSA“-Zertifikat wird nach einem Audit von einer unabhängigen, von GMP+ International zugelassenen Zertifizierungsstelle erteilt. Danach werden diese jährlich überprüft. Dieses Verfahren bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Lieferanten nur einmal kurz mit ihrem Zertifikat wedeln müssen und ihre Erzeugnisse oder Dienstleistungen daraufhin ohne weitere Fragen abgenommen werden können. Der Kettenansatz ist eine stabile, wichtige Grundlage für sichere Futtermittel: er garantiert zum Großteil, dass alle Glieder der Kette in einheitlicher und transparenter Weise die Qualitätssicherung für Futtermittel und Dienstleistungen gewährleisten (HACCP, Grundbedingungen, Systemanforderungen und Produktgrenzwerte). Aufgrund der unabhängigen Zertifizierung übernimmt der Abnehmer jedoch auch seine eigene Verantwortung.

In das „GMP+ FSA“-Zertifizierungssystem wurde die Verpflichtung aufgenommen, die Lieferanten zu bewerten und die zugelassenen Lieferanten regelmäßig zu evaluieren. Dies sind die so genannten Lieferantenbewertungen, die auch als second party audits bezeichnet werden. Dies dient nicht als Ersatz für das Zertifizierungsaudit (third party audit), das wiederum auch nicht als Ersatz für die Lieferantenbewertung gilt; vielmehr handelt es sich dabei um zwei selbständige Elemente, die gemeinsam für die Herstellung unbedenklicher Futtermittel einen großen Schritt vorwärts bedeuten.

 

Gemeinsames Interesse
Die Lieferantenbewertungen beinhalten im Kern den Austausch von Informationen und die Klärung der vom Lieferanten verwendeten Qualitätssicherung. Diese Lieferantenbewertung unterstreicht die Bedeutung der Eigenverantwortung jedes einzelnen Kettenglieds.

Der spezielle Kettenansatz von GMP+ International vereinigt das Beste zweier Welten in sich: die individuelle und die gemeinsame Verantwortung. Dabei muss sich jedes Glied der Kette für das gemeinsame Interesse der Futtermittelsicherheit einsetzen. Wenn sich alle Parteien gemeinsam an die Standards und die gültigen Rechtsvorschriften und Regelungen halten, tragen wir als Futtermittelsektor zu einem sicheren Futter und zur Nachhaltigkeit bei und stärken damit das Vertrauen der Endkunden.

 

Möglichkeit von Torwächteroptionen
Die Anforderung, dass die Erzeugnisse von nach GMP+ FSA zertifizierten Lieferanten bezogen werden müssen, gilt für Futtermittel (Futtermitteladditive, Mischfuttermittel und Vormischungen) und Dienstleistungen (Transport, Lagerung und Umschlag sowie Laborarbeiten). Bei gewissen Erzeugnissen und Dienstleistungen war es nicht möglich, eine Zertifizierung nach GMP+ FSA (oder gleichwertig) zu fordern. Für diese Situationen ist die Torwächteroption eine Möglichkeit. In diesen Fällen übernimmt der beschaffende oder mietende „GMP+ FSA“-Teilnehmer die Verantwortung vom Lieferanten. Weitere Informationen finden sich unter www.gmpplus.org.

 

Internationale Konferenz
Im Jahr 2017 wird das „GMP+ FSA“-System 25 Jahre alt. Dieses Jubiläum wird unter anderem Anfang November mit einem großen internationalen Kongress in der Beurs van Berlage in Amsterdam (Niederlande) gefeiert. Weitere Informationen finden sich unter www.feedsafetyconference.com.

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