Vorsorge in der Qualitätssicherung

18 Mai 2017

Die Gewährleistung der Futtermittelsicherheit beginnt bei der Vorsorge. Ad-hoc-Maßnahmen, mit denen jeweils immer wieder neue Zwischenfälle bekämpft werden, untergraben die Unternehmenskontinuität. Und, noch wichtiger, eine solche Vorgehensweise führt zu bedenklichen Futtermitteln, die die Tier- und Volksgesundheit gefährden. Das Vorsorgeprinzip ist deshalb als Grundlage im Zertifizierungssystem GMP+ Feed Safety Assurance (GMP+ FSA) verankert.

Und das nicht ohne Grund. Im Jahr 1992 begannen wir mit einem „Good Manufacturing Practice“-Kodex. Derzeit bezeichnen wir dies als ein „Programm mit Grundbedingungen“. Es handelte sich um eine Reihe Vorbeugungsmaßnahmen auf der Grundlage der damals bekannten Gefährdungen („hazards“), das System war allerdings noch sehr reaktiv. Im Jahr 1995 haben wir eine Reihe Anforderungen aus ISO 9001 für die Anwendung eines Qualitätsmanagementsystems in dem System verankert, was es jedoch nicht gleich proaktiv machte. Dafür ist nämlich mehr erforderlich, und zwar: HACCP. Dort geht es um eine proaktive Gefahrenanalyse und Risikolenkung.

 

Qualitätsmanagement
Qualitätsmanagement sorgt für ein strukturiertes und planmäßiges Vorgehen in der täglichen Praxis. Die Systematik setzt sich aus drei Elementen zusammen: Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung. Dies führt zu einer konstanten guten Produktqualität, da auch darauf geachtet wird, wie sich die gewünschte Qualität verwirklichen lässt.

Viele Unternehmen wenden ISO 9001 oder ISO 22000 zum Festlegen ihres Qualitätsmanagements an. Der Standard GMP+ B1 hat dieselbe Struktur wie ISO 9001. Auch die übrigen GMP+-Standards der B-Serie haben vergleichbare Anforderungen an das Qualitätsmanagement. GMP+ FSA lässt sich denn auch relativ einfach von Unternehmen verwenden, die nach ISO 9001 oder ISO 22000 zertifiziert sind.

Ich manchen Ländern sind Unternehmen auch für GMP und/oder HACCP zertifiziert. Auch dabei handelt es sich um wichtige Bausteine, die innerhalb von GMP+ FSA zu den Zertifizierungsanforderungen gehören.  Solche Unternehmen verfügen also auch über eine Reihe „stepping stones“ in Richtung eines vollständigen „GMP+ FSA“-Zertifikats.

 

Gefahrenanalyse
Bei der Herstellung von Futtermitteln ist von Gefährdungen die Rede, welche die Qualität und Sicherheit beeinträchtigen. Jene Gefährdungen können sehr unterschiedlich sein. Sie hängen unter anderem mit den verwendeten Zutaten oder Ausgangserzeugnissen zusammen. Auch die Herkunft spielt eine Rolle und auch wie die Erzeugnisse transportiert oder verarbeitet worden sind und mit welchem Verfahren die Enderzeugnisse hergestellt werden. Die Qualitätssicherung beginnt denn auch mit einer Analyse jener möglichen Gefährdungen („hazards“) und sich daraus ergebender Risiken („risks“) für die Futtermittelsicherheit: die Hazard Analysis of Critical Control Points (HACCP). Diese Methodik stammt aus der Lebensmittelindustrie und wurde bereits im Jahr 2000 für GMP+ FSA zur Herstellung von Futtermitteln und für die Zulieferer von Ausgangserzeugnissen entwickelt. Das Ergebnis der Risikoanalyse bildet die Grundlage für das Risikomanagement. Bei dieser Methode werden auf der Grundlage der verfügbaren Kenntnisse und Erfahrungen etwaige Risiken im Vorfeld systematisch identifiziert und die entsprechenden Lenkungsmaßnahmen ergriffen. Die Wirksamkeit der Maßnahmen wird über eine Validierung überprüft. Die Gefahrenanalyse muss bei jeder Veränderung des Herstellungsprozesses durchgeführt werden.

Bei der Qualitätssicherung wird also nicht jedes Mal wieder reaktiv auf neue Zwischenfälle reagiert, sondern konzentriert man sich eher auf präventive und proaktive Maßnahmen.

 

Feed Support Products
GMP+ International hat bei ihrer Arbeit gemeinsam mit vielen Unternehmen eine jahrelange Erfahrung mit Qualitätssicherung, Gefahrenanalyse und Risikobewertung aufbauen und viele diesbezügliche Kenntnisse sammeln können. GMP+ International stellt dieses Fachwissen gerne nach GMP+ FSA zertifizierten Unternehmen zur Verfügung, die sich dafür angemeldet haben.

Im Laufe der Jahre wurden GMP+ International viele generische Risikobewertungen bereitgestellt.  Diese dienen als Leitfaden und als ein Instrument für teilnehmende Unternehmen und für die Auditoren der Zertifizierungsstellen zur:

  1. Erstellung einer eigenen betriebsspezifischen Risikoanalyse
  2. Durchführung von Lieferantenbewertungen (Verfahren und Zutaten)
  3. Vorbereitung eines Audits bei einem Unternehmen.

Die Datenbank mit diesen Informationen (Feed Support Products) enthält unter anderem auch Fact Sheets zu Gefährdungen und deren Schwere, Risikobewertungen zu Herstellungsprozessen, eine Liste mit Erzeugnissen (Einzelfuttermittel), deren Einsatz unbedenklich ist, Ergebnisse aus der Überwachung und spezifische Grenzwerte für die Futtermittelsicherheit.

 

Produktstandards
Ergänzend zum Qualitäts- und Risikomanagement enthält GMP+ FSA verpflichtete Programme für diverse Betriebstypen in der Futtermittelkette. Auch dies passt zum Vorsorgeprinzip; Produktstandards sind in das Zertifizierungssystem integriert, um ein Mindestsicherheitsniveau zu gewährleisten. Es handelt sich beispielsweise um höchstzulässige Gehalte an unerwünschten Substanzen.

Weitere Informationen zu GMP+ FSA mit seinen Merkmalen lassen sich finden unter www.gmpplus.org, dem Portal von GMP+ International.

 

Kombination aus Merkmalen macht GMP+ FSA einzigartig

 

Das „GMP+ Feed Safety Assurance“-Zertifizierungssystem wurde innerhalb von 25 Jahren aufgebaut. Es enthält Merkmale, die in ihrer Gesamtheit GMP+ FSA einzigartig machen. Im Jubiläumsjahr erläutert GMP+ International in ihren Newsletters die wichtigsten Merkmale. Es handelt sich um ISO und HACCP, EWS und Tracking & Tracing, den Kettenansatz, die internationale Reichweite, die Country Notes, Nachhaltigkeit, Integrität, Betrug und die Betriebskultur. Zusammen bilden sie die Zertifizierung, die es Unternehmen ermöglicht, unbedenkliche Futtermittel herzustellen, sodass Verbraucher über unbedenkliche Lebensmittel tierischen Ursprungs verfügen können. In den nächsten Monaten werden diese Merkmale in den Newsletters und Artikeln behandelt.

 

 

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