Achtung: Ethylenoxid in Sesamsaat aus Indien

Dienstag, 3. November 2020

Auf Ersuchen der niederländischen Lebensmittel- und Warenprüfbehörde (Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit; kurz: NVWA) informieren wir die GMP+ Community über mit Ethylenoxid verunreinigte Sesamsaat aus Indien. Die vorliegende Information ist für Unternehmen bestimmt, die Sesamsaat (oder Produkte, in denen Sesamsaat verarbeitet ist) importieren, vertreiben, verarbeiten oder verkaufen.

In den nachstehend gelisteten Batches ist von einer Überschreitung des innerhalb der EU zulässigen Grenzwerts für die Verwendung von Ethylenoxid die Rede. Inzwischen sind mehrere RASFF-Meldungen ergangen. Eine Reihe nach GMP+ zertifizierte Unternehmen hat eine EWS-Meldung ergehen lassen. Alle jene Unternehmen haben ihre Kunden informiert und die Situation unter Kontrolle.

Überprüfen Sie immer die GMP+-Unternehmensdatenbank

Als Mitglied der GMP+ Community spielen Sie bei der Gewährleistung der Unbedenklichkeit von Futtermitteln in der gesamten Kette eine wesentliche Rolle, indem Sie überprüfen, ob Ihr Lieferant nach GMP+ (oder gleichwertig) zertifiziert ist. Hegen Sie Zweifel? Ziehen Sie dann die GMP+-Unternehmensdatenbank zu Rate.

Haben Sie Fragen? Setzen Sie sich dann mit den nationalen Behörden in Verbindung.

Auf Ersuchen der NVWA informieren wir Sie über Folgendes:

Information über betroffene Unternehmen und Batches

Es wurden Unternehmen identifiziert, die verunreinigte Batches geliefert haben. Unten in dieser Mail sind alle beteiligten Lieferanten und sämtliche betreffenden Batches aufgelistet.

Lieferanten:

  • M. LAKHAMSI AND CO, Plot No. 505, CHURCHGATE CHAMBERS, 5 NEW MARINE LINES, Near nirmla niketan girl college, Mumbai, Maharashtra, 400020, India
  • Dhairya International, NEW MARKET YARD 14, Unjha, Gujarat 384170. India
  • Nature Bio Foods Ltd., 45 KM Stone, G.T. Road, Kamaspur, Sonepat, Haryana-131021, India
  • ORCHID Exim (India) Pvt.Ltd., 608, Akshat Tower,  Opp. Rajpath Club,  Sarkhej-Gandhinagar Highway, Ahmedabad-380015. (Gujarat) India.
  • Agri Food Products; SHRI Sacchidanand complex, Visnagar rd Unjha, Gujarat, India.
  • GSV International, Bhavya Plaza 2nd fl, khar stationrd 203, Maharasht Mumbai, India.
  • Fazlani Exports PVT Ltd., Nirmal 21st floor Nariman Port, Mumbai, India.
  • M.R. Agro Industries, New Gunj Bazar, Unjha, Gujarat, India.
  • Organic Products India; row house No. B-8 Himgiri Residency, Pune-411037, Maharashtra India.
  • Accura Enterprices Pvt Ltd, Survey No150, Village Karai, Ahmedabad, Gujarat India.
  • Shyam Industries, 402/403 Phase 4, GIDC, Naroda, Ahmedabad, Gujarat India.
  • Shakumbhri Expo Impo Ltd.; 4.5 Km Stone, Bhopa Road Muzaffarnagar, U.P, India. 
  • Talakshi Lalji & Co.; s.r. NO 132P NEAR MADHAV CERAMIC, AT.  TARAGADHI.
  • Amrutva Fine Foods LLP, 23 godavari chambers, junction of adukia road & s.v. road, kandival Mumbai.
  • Keventer Agro Ltd, Plot NO 215 phase-2 gidc, Naroda Ahmedabad City.  
  • Dhaval Agri Exports B-9 Market yard, Rajkot.  

 
Batchnummern:

19-047/2; 19-060/3; 19-105/1; 19-105/2; 19-141/1; 19-141/3; 3677/20; 6109/19; 4219; 6109; 1920; 20-004; 20-003; DAE/10330; DAE/10333; DAE/10331; DAE/10337; DAE/11375; DAE/18032; DAE/18139; L10289; HS.A.09958T.02; OIL-2807 0720-6, 2020220128.01; 2020220128.02, HS.A.09962A.01; HS.A.09987A.02; HS.A.09987A.01.02; HS.53932; HS.54146; HS.A.10040T.01; HS.A.10040T.02; HS.A.10040T.02H; HS.A.10016T.01; HS54018; HS.54344; TR.A.10046T; HS.53950, OPI/CN138/19/133/OHSS; OPI/CN138/20/137/OHSS MHD, Lot 157-04; B0056145; PTR191073-01; PTR191041-01

Welche gesetzlichen Verpflichtungen hat Ihr Unternehmen?

Vorgehensweise bei kontaminierten Partien von Futtermitteln oder Ausgangserzeugnissen für Futtermittel

Anlässlich von Fragen über den Umgang mit Partien von Futtermitteln oder Ausgangserzeugnissen für Futtermittel, die (eventuell) verunreinigte Sesamsaat enthalten, folgt hier eine Erläuterung der Vorgehensweise, die ich in meinen E-Mails vom 12.10.2020 und 26.10.2020 beschrieben habe. Außerdem gibt es auch eine Anpassung der Richtlinien für den Rückruf von kontaminierten Futtermitteln bis hin zum Bauern (Endverbraucher).

Im Folgenden finden Sie weitere Erläuterungen zum Vorgehen. Die Vorgehensweise hängt davon ab, ob bekannt ist, ob die Partie Sesamsaat kontaminiert war, oder ob das nicht bekannt ist/war.

Wenn die kontaminierte Sesamsaat von Chargen und Importeuren, die von der NVWA identifiziert wurden (siehe die Liste der Unternehmen in den Mails mit Informationen über ETO), oder aus einer anderen Charge stammt, bei der nachgewiesen wurde (beispielsweise vom Lieferanten), dass der Gehalt an Ethylenoxidrückständen über dem RHG liegt, dann gilt die folgende Vorgehensweise:

  • Ausgangserzeugnisse für Futtermittel (Sesamsaat, verarbeitete Lebensmittel mit Sesamsaat) müssen aus dem Verkehr gezogen werden und dürfen nicht mehr für Futtermittel verwendet werden.
  • Futtermittel, die Sesamsaat oder verarbeitete Lebensmittel mit Sesamsaat enthalten, müssen aus dem Verkehr gezogen werden und dürfen nicht mehr für Futtermittel verwendet werden.
  • Es gibt keinen Rückruf von Futtermitteln von Bauern (keinen Rückruf vom Endverbraucher), wenn der Gehalt im Futtermittel unter dem RHG von 0,05 mg/kg liegt. Wenn der Gehalt im Futtermittel über dem RHG-Wert liegt, muss ein Rückruf bis hin zum Endverbraucher erfolgen.
  • Grund dafür ist, dass es sich um einen verbotenen schädlichen Stoff mit einem hohen Gehalt handelt, der nicht in Futtermitteln verarbeitet werden darf.

Wenn es sich um Sesamsaat oder verarbeitete Lebensmittel mit Sesamsaat (Ausgangserzeugnisse für Futtermittel oder Futtermittel) handelt, deren Sesamsaat aus anderen Chargen der betroffenen Lieferanten oder aus Chargen von anderen oder unbekannten Lieferanten aus Indien stammt, dann gilt die folgende Vorgehensweise:

  • Sie müssen die Gefahr von Ethylenoxid in den Ausgangserzeugnissen in den HACCP-Plan/GMP-Plan aufnehmen und eine Gewährleistung implementieren.
  • Es muss verifiziert werden, ob die Ausgangserzeugnisse mit Sesamsaat den Sicherheitsvorschriften genügen. Das kann anhand einer Probenanalyse beispielsweise von Rückstellproben oder anhand einer Berechnung erfolgen.
  • Wenn sich herausstellt, dass der Gehalt an Ethylenoxid im Ausgangserzeugnis für das Futtermittel oder im Futtermittel selbst unter dem RHG für Ethylenoxid in Sesamsaat liegt, brauchen Sie nichts zu tun. Wenn der Gehalt an Ethylenoxid über dem RHG für Ethylenoxid in Sesamsaat liegt, müssen Sie eine Meldung bei der NVWA vornehmen, Ihre Abnehmer informieren und die verunreinigten Produkte bis hin zum Endverbraucher aus dem Verkehr ziehen.

Grundlage für diese Vorgehensweise ist Ihre gesetzliche Verpflichtung, sicherzustellen, dass Futtermittel, die Sie in Verkehr bringen, die gesetzlichen Anforderungen an die Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit erfüllen. Dies gilt auch für Futtermittel, die bereits in Verkehr gebracht worden sind oder sich noch im Lager befinden und hinsichtlich derer zu einem späteren Zeitpunkt noch die Vermutung aufkommt, dass sie unsicher sein könnten. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Ausgangserzeugnisse (in letzter Zeit handelte es sich dabei um Sesamsaat aus Indien) Ethylenoxid über dem RHG-Wert enthalten, müssen Sie dieses Risiko in Ihren HACCP-Plan aufnehmen und entsprechend gewährleisten und verifizieren.

Was müssen Sie tun, wenn verunreinigte Partien an Lebensmitteln für Futtermittel angeboten werden?

Durch die Rückrufe und Laboruntersuchungen, die Lebensmittelunternehmen durchführen, können verunreinigte Partien auf dem Markt als Futtermittel angeboten werden. Das Futtermittelunternehmen ist dafür verantwortlich, zu untersuchen, welche der vorstehenden Regelungen für die jeweilige angebotene Partie gelten, und entsprechend zu handeln.

Verunreinigte Batches von beteiligten Lieferanten
Haben Sie Sesamsaat aus verunreinigten Batches der genannten Lieferanten aus Indien importiert, vertrieben oder verarbeitet, so sind jene Batches sofort aus dem Verkehr zu ziehen. Auch Produkte, in denen verunreinigte Sesamsaat verarbeitet ist, müssen aus dem Verkehr gezogen werden. Diese Produkte dürfen nicht mehr als Lebensmittel oder Futtermittel in Verkehr gebracht werden. Sie müssen bei der NVWA eine Meldung (GFL-Meldung) vornehmen und darin angeben, welche Korrekturmaßnahmen Sie ergriffen haben bzw. ergreifen werden.

Andere Batches der beteiligten Lieferanten und Batches von anderen oder unbekannten Lieferanten aus Indien
Die NVWA macht Sie auf Ihre gesetzliche Verpflichtung aufmerksam, sicherzustellen, dass Lebensmittel und Futtermittel, die Sie in Verkehr bringen, die gesetzlichen Anforderungen an die Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit erfüllen. Dies gilt auch für Lebensmittel und Futtermittel, die bereits in Verkehr gebracht worden sind oder sich noch im Lager befinden und hinsichtlich derer zu einem späteren Zeitpunkt noch die Vermutung aufkommt, dass sie unsicher sein könnten. Nachstehend wird Ihre diesbezügliche Verantwortung näher dargelegt.

Aus Indien stammende Sesamsaat-Partien, die noch nicht ausgeliefert worden sind
Sie müssen überprüfen, ob diese Sesamsaat die Lebensmittelsicherheitsanforderungen erfüllt. Sie können dies machen, indem Sie die betreffenden Sesamsaat-Batches sperren und eine repräsentative Probe daraus entnehmen und auf Rückstände von Ethylenoxid analysieren lassen. Sofern diese Analyse ergibt, dass der Gehalt an Rückständen von Ethylenoxid unter dem RHG liegt, darf die betreffende Partie doch noch vertrieben bzw. verarbeitet werden. Sofern die Analyse ergibt, dass der Gehalt an Rückständen von Ethylenoxid über dem RHG liegt, müssen Sie eine Meldung bei der NVWA (GFL-Meldung) vornehmen. Solche Partien dürfen nicht mehr vertrieben oder verarbeitet werden.

Produkte, in denen Sesamsaat aus Indien verarbeitet ist
Um zu überprüfen, ob Produkte, in denen Sesamsaat verarbeitet ist und die bereits in Verkehr gebracht worden sind, die Lebensmittelsicherheitsanforderungen erfüllen, empfiehlt die NVWA, dass Sie Ihre Rückstellproben auf Rückstände von Ethylenoxid analysieren lassen. Sollte sich herausstellen, dass der Gehalt an Ethylenoxid-Rückständen in dem zusammengesetzten Lebensmittel unter dem RHG für Ethylenoxid in Sesamsaat liegt, brauchen Sie nichts zu unternehmen. Wenn der Gehalt an Ethylenoxid-Rückständen über dem RHG für Ethylenoxid in Sesamsaat liegt, müssen Sie eine Meldung bei der NVWA vornehmen, Ihre Abnehmer informieren und die verunreinigten Produkte aus dem Verkehr ziehen.

Neue Batches Sesamsaat aus Indien
Die NVWA hält das Risiko der Verunreinigung von Sesamsaat aus Indien mit Rückständen von Ethylenoxid für hoch. Es ist wichtig, dass Unternehmen ihren HACCP-Plan an das Risiko einer Verunreinigung mit Ethylenoxid anpassen.

Sofern Sie Sesamsaat aus Indien importieren oder vertreiben, müssen Sie Ihren HACCP-Plan anpassen und sicherstellen, dass Sie keine verunreinigten Partien importieren und/oder vertreiben. Sie können dies machen, indem Sie Partien, die Sie importieren oder vertreiben möchten, im Rahmen Ihrer (Eingangs-)Kontrolle auf Ethylenoxid analysieren lassen. Im Falle der Überschreitung des RHG darf das Produkt nicht importiert, in Verkehr gebracht oder verarbeitet werden und müssen Sie bei der NVWA eine Meldung (GFL-Meldung) vornehmen, sofern das Sesamsaat-Batch bereits importiert worden ist.

Sofern Sie Sesamsaat (oder daraus hergestellte Produkte) aus Indien verarbeiten, müssen Sie Ihren HACCP-Plan anpassen und sicherstellen, dass Sie keine verunreinigten Sesamsaat-Partien verarbeiten. Sollten Sie nicht sicher wissen (z. B. über Analyseberichte), ob die zu verarbeitende bzw. verarbeitete Sesamsaat den RHG erfüllt, können Sie die (Misch-)Produkte selbst analysieren lassen. Auch hier gilt, dass bei einer Überschreitung des RHG eine Meldung bei der NVWA vorgenommen werden muss und dass die betreffenden Sesamsaat-Batches oder verarbeiteten Produkte nicht vertrieben werden dürfen.