Wie sich Futtermittelsicherheit und Nachhaltigkeit gegenseitig verstärken

Sichere und nachhaltige Futtermittel stehen nicht im Widerspruch zueinander. Es handelt sich um zwei Kräfte, die zum Wohle der Tiere, der Menschen und unseres Planeten harmonisch zusammenwirken.

Martine Boon
Martine Boon Managing Director, GMP+ International

Futtermittelsicherheit ist das Rückgrat von GMP+ International. Sie ist die Grundlage einer zuverlässigen und vertrauenswürdigen Futtermittelkette, die Tiere und Menschen schützt. Sicherheit ist aber auch eine der wichtigsten Säulen des Wandels hin zu nachhaltiger Futtermittelproduktion.

Um es klar zu sagen: Sicherheit ist nicht dasselbe wie Nachhaltigkeit. Eine GMP+ FSA-Zertifizierung bedeutet, dass Sie ein anerkanntes Feed Safety Management System anwenden, aber sie berechtigt Sie nicht dazu, ökologische Aussagen zu treffen.

Dennoch bestehen grundlegende Zusammenhänge zwischen Sicherheit und Nachhaltigkeit. Sichere Praktiken verringern Abfall, ermöglichen innovative und nachhaltige Futtermittellösungen und können viele Einflüsse angehen, die den Futtermittelsektor zu destabilisieren drohen.

Vorbeugung gegen Abfall

Das nachhaltigste Futtermittel ist das Futtermittel, das Sie nicht entsorgen und ersetzen müssen. Die Nichteinhaltung von Sicherheitsvorschriften führt zu zurückgewiesenen Lieferungen, verschwendetem Futter und weitreichenden Verlusten entlang der gesamten Lieferkette. Die Dioxin-Krise  in Deutschland in den Jahren 2010/11 führte zu Verunreinigungen von Hunderten Tonnen Futtermittel, von denen der Großteil vernichtet wurde, bevor es die Tiere erreichte. Doch die Folgeerscheinungen führten zur Schließung Tausender Betriebe, zur Tötung Tausender weiterer Hühner und zur Vernichtung Hunderttausender Eier. Der Gesamtabfall an Ressourcen, Abgasen und Tierleben war unkalkulierbar – und vermeidbar.

Bei einer Kultur der Futtermittelsicherheit geht es daher um mehr als nur die Geschäftskontinuität für Futtermittelunternehmen; es geht um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Instrumente wie die GMP+ Feed Safety Assurance-Zertifizierung tragen dazu bei, das Risiko einer Verunreinigung und Rückweisung einer Partie erheblich zu verringern.

Kreislaufwirtschaft und Verwertung

Durch sichere Verfahren können Materialien zudem verwertet werden und in die Futtermittelkette gelangen.

Zahlreiche Futtermittelinhaltsstoffe stammen aus Kreislauf- oder Nebenproduktquellen. Nebenprodukte der Pflanzenölproduktion, wie beispielsweise Lecithin, fallen in großen Mengen an und sind eine wertvolle Nährstoffquelle für Tiere. Ebenso werden Zitrusfruchtfleisch und Kartoffelschalen, altbackenes Brot, Melasse und sogar Biertreber von Nach GMP+ zertifizierten Unternehmen wie Heineken auf sichere Weise in die Futtermittelkette zurückgeführt. Seit 2007 wurden mehr als 80 zirkuläre Erzeugnisse/Produkte in die GMP+-Produktliste aufgenommen, und in letzter Zeit beobachten wir, dass Futtermittelhersteller diese Erzeugnisse/Produkte weiterverarbeiten, um ihren Nährwert und ihre Verdaulichkeit zu optimieren.

Die Verwendung dieser Materialien für Futtermittel kann Abfall verringern, was sich messbar auf den CO2-Fußabdruck von Futtermitteln auswirkt. Kreislauffutter ist keine vollständige Lösung für Treibhausgasemissionen, und der gesamten Branche zahlreiche Innovationen und neue Ideen getestet und umgesetzt werden, darunter unsere Branche hat noch viel zu tun, um unsere Umweltbelastung umzukehren, aber Kreislaufwirtschaft kann unseren Fußabdruck erheblich verringern. In einer Ökobilanzstudie beispielsweise trug der vermehrte Einsatz von Kreislauffutter dazu bei, die Emissionen von Schweinen um 46 % zu senken.

Wenn Sie neugierig auf die Verwendung von Einzelfuttermitteln sind oder diese bereits einsetzen, aber wissen möchten, welche Auswirkungen dies auf Ihren eigenen Fußabdruck hat, dann hilft Ihnen unser neuer Standard zur (LCA) dabei, die Umweltauswirkungen Ihrer Futtermittelprodukte auf einheitliche und vergleichbare Weise zu berechnen und zu kommunizieren.

Lösungen in größerem Maßstab

Der Wettlauf um nachhaltiges Futtermittel nimmt Fahrt auf, wobei in Insektenprotein, Algen, Fermentierung und viele andere. Wenn wir jedoch einen sinnvollen Beitrag zur ökologischen Wende leisten wollen, müssen nachhaltigere Futtermittelprodukte in größerem Maßstab produziert werden und ihre nicht nachhaltigen Pendants verdrängen.

Die Markteinführung einer neuen oder innovativen Produktlinie ist ohnehin schon schwierig, doch ohne ausreichende Sicherheitsnachweise ist sie schlichtweg unmöglich. Ganz gleich, wie verantwortungsbewusst ein Futtermittelprodukt auch sein mag wenn es unsicher ist, wird der Markt ihm niemals vertrauen. Sicherheit ist die Grundvoraussetzung.

Ein guter Ruf in Sachen Sicherheit ist daher untrennbar mit Nachhaltigkeit verbunden, sondern notwendig, um Nachhaltigkeit glaubwürdig zu machen. Futtermittelunternehmen, die konsequent sichere Beschaffung, zuverlässige Kontrollen und transparente Qualitätssicherung nachweisen können – und über das GMP+Zertifikat verfügen, um dies zu belegen –, sind weitaus besser positioniert, um mit innovativen, kreislaufwirtschaftlichen und nachhaltigen Erzeugnissen/Produkten Vertrauen zu gewinnen und diese letztendlich auf dem gesamten Markt zu etablieren.

Unsicher ist nicht nachhaltig

Futtermittelsicherheit und Nachhaltigkeitspraktiken werden oft als getrennte Themen behandelt. In Wirklichkeit sind beide Antworten auf eine gemeinsame, zugrunde liegende Bedrohung: Instabilität.

Ein nicht nachhaltiges Futtermittelsystem wird im Laufe der Zeit Ressourcen erschöpfen, Lieferketten destabilisieren und Schwankungen sowie Druck verstärken – allesamt bekannte Faktoren, die Risiken für die Futtermittelsicherheit begünstigen.

Ein Beispiel: Die Unterbezahlung von Landwirten, insbesondere von Kleinbauern, verschärft die wirtschaftliche Belastung, unter der sie leiden. Dies kann direkt zu nicht nachhaltigen und unsicheren Praktiken führen, wie einer unzureichenden Ausbildung der Arbeitskräfte oder dem vermehrten Einsatz gefährlicher Chemikalien wie hochgefährlicher Pestizide (HHPs) im Versuch, Ernteerträge zu sichern. Beides erhöht das Risiko für Verunreinigungen.

Zu den größten destabilisierenden Risiken, denen der Futtermittelsektor heute ausgesetzt ist, zählen Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit. Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze im Zusammenhang mit dem Klimawandel haben bereits zu Preisspitzen, Wasserverschmutzung sowie erhöhtem Schädlingsdruck geführt. Und wir wissen, dass die Auswirkungen , da die Verfügbarkeit von Futterpflanzen verringert wird, sich Krankheiten und Krankheitserreger auf neue Weise ausbreiten und Mykotoxine häufiger auftreten. Zwar ist Vorbeugung besser als Heilen, doch sollte man anerkennen, dass Innovation und Technologie eine Schlüsselrolle bei der Anpassung der Produktion von Einzelfuttermitteln an ein sich wandelndes Klima spielen und im Laufe der Zeit dazu beitragen werden, diese destabilisierenden Einflüsse abzuschwächen.

So wie die Instabilität aufgrund von Nachhaltigkeitsrisiken zu Problemen bei der Futtermittelsicherheit führen kann, können auch neu auftretende Risiken für die Futtermittelsicherheit Instabilität verursachen. Antibiotikaresistenz (AMR) beispielsweise birgt das Potenzial, die Gesundheit von Mensch und Tier zu untergraben und sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach Futtermitteln zu beeinträchtigen. Der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in Futtermitteln weltweit treibt die Antibiotikaresistenz weiter voran, was deren Wirksamkeit einschränkt. Die Rückstände können zudem über Gülle, Abflusswasser und Abwässer in die Umwelt gelangen, was zur Entstehung antibiotikaresistenter Bakterien in natürlichen Ökosystemen beitragen kann.

Sichere und verantwortungsvolle Praktiken wirken enorm stabilisierend und tragen dazu bei, dass ein dynamischer globaler Sektor sowohl effizient als auch zukunftssicher betrieben werden kann.

Wir sind eine globale Kette

Wir unterstützen Unternehmen international. In verschiedenen Regionen und Lieferketten schreiten Sicherheit und Nachhaltigkeit mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voran – und es ist verständlich, dass Ihr Unternehmen je nach den aktuellen Erfordernissen in dem einen oder anderen Bereich Ergebnisse sehen möchte.

Auf globaler und branchenweiter Ebene ist unser Bewusstsein jedoch dafür, dass ein sicherer Futtermittelsektor eine wesentliche Voraussetzung für einen nachhaltigen Futtermittelsektor ist. Nur so können nachhaltige Futtermittelprodukte skaliert werden und Wirkung zeigen.

Und deshalb bieten wir Zertifizierungslösungen für beide Bereiche an, die sich gegenseitig verstärken können. Die GMP+ Feed Safety Assurance (FSA)-Zertifizierung hilft Unternehmen, Abfall zu verringern, kreislauffähige Einzelfuttermittel sicher zu verwenden und Vertrauen in innovative Futtermittelprodukte aufzubauen. Und die GMP+ Feed Responsibility Assurance (FRA)-Zertifizierung kann, ebenso wie unser kürzlich eingeführter Feed LCA-Standard, Türen öffnen, Schwachstellen identifizieren und Ihr Unternehmen sowohl effizienter als auch nachhaltiger führen.

Futtermittelsicherheit ist eine zentrale Investition in eine nachhaltige Zukunft sowohl für Lebensmittel als auch für Futtermittel. Und Nachhaltigkeit ist eine Geschäftsmöglichkeit, die durch sichere Prozesse ermöglicht wird. Ganz gleich, ob Sie bereits im Bereich Nachhaltigkeit aktiv sind oder gerade Ihre ersten Schritte unternehmen – unser Angebot an GMP+ FRA-Zertifizierungen ist ein wertvolles und ergänzendes Hilfsmittel.